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Überhitzung richtig einstellen: Anleitung für die Praxis

·6 Min. Lesezeit

Wie Sie die Überhitzung am thermostatischen Expansionsventil messen und einstellen – mit Zielwerten, typischen Fehlern und Hinweisen zu zeotropen Gemischen.

Die Überhitzung ist die wichtigste Einstellgröße im Kältekreis. Sie entscheidet darüber, ob der Verdampfer vollständig genutzt wird und ob der Verdichter trockenen Sauggas erhält. Zu wenig Überhitzung bedeutet Flüssigkeitsschlag, zu viel bedeutet Leistungsverlust.

Was Überhitzung bedeutet

Überhitzung ist die Temperaturdifferenz zwischen dem Kältemitteldampf am Verdampferaustritt und der Sättigungstemperatur beim dort herrschenden Druck.

Beispiel: Der Saugdruck beträgt 2,6 bar (Ü), das Kältemittel ist R404A. Die zugehörige Sättigungstemperatur liegt bei etwa −10 °C. Wird am Verdampferaustritt eine Rohrtemperatur von −4 °C gemessen, beträgt die Überhitzung 6 K.

Zielwerte

AnwendungÜberhitzung
Normalkühlung5–8 K
Tiefkühlung4–7 K
Klimaanwendung5–10 K
Flüssigkeitskühler (Plattenverdampfer)3–5 K

Diese Werte gelten für die Betriebsüberhitzung im eingeschwungenen Zustand – nicht unmittelbar nach dem Anlauf oder während der Abtauung.

Messung Schritt für Schritt

  1. Manometer an das Serviceventil der Saugleitung anschließen und den Druck ablesen.
  2. Sättigungstemperatur aus der Kältemitteltabelle oder über das Digitalmanometer bestimmen.
  3. Rohrtemperatur am Verdampferaustritt messen – idealerweise mit Anlegefühler unter Isolierung, nicht mit dem Infrarotthermometer. IR-Messungen an blanken Kupferrohren sind wegen der Reflexion unbrauchbar.
  4. Differenz bilden: Rohrtemperatur minus Sättigungstemperatur.

Wichtig: Die Anlage muss mindestens 15 bis 20 Minuten stabil laufen, bevor die Messung aussagekräftig ist.

Einstellen

Die meisten thermostatischen Ventile haben eine Einstellspindel unter einer Kappe:

  • Im Uhrzeigersinn: Überhitzung erhöhen (Ventil schließt weiter)
  • Gegen den Uhrzeigersinn: Überhitzung verringern

Eine Umdrehung verändert die Überhitzung je nach Ventiltyp um etwa 0,5 bis 1 K. Nach jeder Verstellung 15 bis 20 Minuten warten, bevor erneut gemessen wird – der Kreislauf braucht diese Zeit, um sich einzuschwingen.

Wer in kurzen Abständen nachstellt, jagt dem Ventil hinterher und landet fast immer im Pendelbetrieb.

Häufige Fehler

Fühler falsch platziert. Der Fühler gehört auf ein gerades, waagerechtes Stück der Saugleitung unmittelbar hinter dem Verdampfer. Position bei Rohren bis 22 mm auf 12 Uhr, bei größeren auf 10 oder 2 Uhr. Niemals auf 6 Uhr – dort sammelt sich Öl und verfälscht die Messung.

Fühler nicht isoliert. Ein ungedämmter Fühler misst teilweise die Umgebungstemperatur. Die Folge ist eine scheinbar zu hohe Überhitzung und ein zu weit geöffnetes Ventil.

Schlechter Kontakt. Das Rohr muss metallisch blank sein, der Fühler vollflächig anliegen und mit Metallschelle befestigt sein. Kabelbinder genügen nicht.

Fehlender äußerer Druckausgleich. Bei Verdampfern mit Verteiler oder hohem Druckverlust muss die Ausgleichsleitung angeschlossen sein – sonst arbeitet das Ventil mit einem falschen Bezugsdruck.

Falsche Ventilfüllung. Die thermostatische Füllung ist kältemittelspezifisch. Ein Ventil mit R404A-Füllung an einer R134a-Anlage lässt sich nicht sinnvoll einstellen.

Besonderheit zeotrope Gemische

Bei R449A, R448A, R452A und ähnlichen Gemischen verdampft das Kältemittel nicht bei konstanter Temperatur – es zeigt einen Temperaturgleit (Glide) von etwa 4 bis 6 K. Die Sättigungstemperatur am Verdampfereintritt ist niedriger als am Austritt.

Für die Überhitzungsberechnung ist die Taupunkttemperatur (Dew Point) maßgeblich, nicht die Siedepunkttemperatur (Bubble Point). Moderne Digitalmanometer bieten beide Werte an – wird versehentlich der Bubble Point verwendet, erscheint die Überhitzung um den vollen Glide zu hoch, und das Ventil wird viel zu weit geöffnet.

Wenn sich die Überhitzung nicht einstellen lässt

Lässt sich trotz korrekter Montage kein stabiler Wert erreichen, liegt die Ursache meist woanders:

  • Kältemittelmangel: Blasen im Schauglas, Überhitzung dauerhaft zu hoch
  • Ventil überdimensioniert: Pendeln zwischen zu hoher und zu niedriger Überhitzung
  • Düse verstopft: Überhitzung sehr hoch, Verdampfungsdruck niedrig
  • Verdampfer vereist: Luftdurchsatz fehlt, Überhitzung steigt trotz geöffnetem Ventil
  • Zu geringe Unterkühlung: Flashgas vor dem Ventil, unruhige Regelung

Fazit

Überhitzung einstellen ist kein Justieren nach Gefühl, sondern eine Messaufgabe mit definierten Zielwerten. Wer Fühlerposition, Isolierung und Stabilisierungszeit beachtet, kommt in wenigen Schritten zu einem stabilen Ergebnis – und verlängert die Lebensdauer des Verdichters erheblich.

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