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Vakuum ziehen: Warum 500 Mikron entscheidend sind

·5 Min. Lesezeit

Fachgerechtes Evakuieren von Kälteanlagen: Zielwerte, Messtechnik, typische Fehler und warum das Manometer der Monteurhilfe nicht ausreicht.

Evakuieren gilt als lästige Wartezeit – und wird entsprechend oft abgekürzt. Tatsächlich entscheidet dieser Arbeitsschritt über die Lebensdauer der gesamten Anlage. Restfeuchte ist der häufigste Grund für Verdichterschäden, die Monate nach der Inbetriebnahme auftreten.

Was Evakuieren leistet

Die Vakuumpumpe entfernt zwei Dinge aus dem Kreislauf:

Luft (nicht kondensierbare Gase). Sie sammelt sich im Verflüssiger, erhöht den Hochdruck und senkt die Leistung. Zehn Prozent Luftanteil können den Wirkungsgrad um mehr als ein Zehntel verschlechtern.

Feuchtigkeit. Das eigentliche Problem. Wasser reagiert mit POE-Öl zu Säuren (Hydrolyse). Diese greifen Wicklungsisolation und Lager an – der Verdichter fällt nicht sofort aus, sondern nach Monaten. Zusätzlich kann freies Wasser am Expansionsventil vereisen und die Anlage blockieren.

Warum ausgerechnet 500 Mikron?

Wasser siedet druckabhängig. Bei Normaldruck bei 100 °C, im Vakuum deutlich darunter:

DruckSiedetemperatur Wasser
5.000 Mikronca. 3 °C
1.000 Mikronca. −17 °C
500 Mikronca. −24 °C
250 Mikronca. −31 °C

Erst unterhalb von etwa 500 Mikron verdampft Restwasser bei üblichen Umgebungstemperaturen zuverlässig und lässt sich absaugen. Oberhalb davon bleibt es flüssig in der Anlage – die Pumpe zieht dann nur noch Luft ab, während das Wasser bleibt.

1 Mikron = 1 µmHg ≈ 0,00133 mbar. 500 Mikron entsprechen etwa 0,67 mbar.

Das Manometer reicht nicht

Die Vakuumskala einer normalen Monteurhilfe endet praktisch bei etwa 25.000 Mikron. Alles darunter zeigt sie als „ganz links" an – ob 20.000 oder 200 Mikron anliegen, ist daran nicht zu unterscheiden.

Für eine fachgerechte Evakuierung ist ein Vakuumeter (Mikronmeter) zwingend. Es wird möglichst weit von der Pumpe entfernt angeschlossen, idealerweise am gegenüberliegenden Ende der Anlage.

Der Haltetest

Entscheidend ist nicht der erreichte Wert, sondern ob er hält:

  1. Auf unter 500 Mikron evakuieren
  2. Ventil zur Pumpe schließen, Pumpe abschalten
  3. Mindestens fünf, besser zehn Minuten beobachten

Bewertung:

  • Wert bleibt stabil: Anlage dicht und trocken – freigeben
  • Wert steigt langsam und pendelt sich bei 1.000 bis 2.000 Mikron ein: Noch Feuchtigkeit vorhanden, weiter evakuieren
  • Wert steigt kontinuierlich ohne Grenze: Leckage – Evakuieren zwecklos, erst Dichtheit herstellen

Dieser Test unterscheidet zuverlässig zwischen Feuchtigkeit und Undichtigkeit – eine Information, die sich anders kaum gewinnen lässt.

Praxistipps

Große Querschnitte verwenden. Im Feinvakuum bestimmt der Strömungswiderstand die Evakuierzeit. Ein 1/4″-Standardschlauch verlängert den Vorgang um ein Vielfaches gegenüber einem 3/8″- oder 1/2″-Vakuumschlauch. Wer regelmäßig evakuiert, spart hier die meiste Zeit.

Beidseitig anschließen. Über Hoch- und Niederdruckseite gleichzeitig evakuieren. Bei geschlossenem Expansionsventil oder Magnetventil bleiben sonst ganze Anlagenteile unerreicht.

Kern ausbauen. Schrader-Ventileinsätze drosseln stark. Mit Ventilkernausdreher entfernt, sinkt die Evakuierzeit deutlich.

Pumpenöl frisch halten. Verbrauchtes, wasserhaltiges Öl begrenzt den erreichbaren Enddruck. Nach jeder größeren Evakuierung wechseln, spätestens wenn das Öl milchig wird.

Stickstoff-Spülung bei viel Feuchtigkeit. Bei nasser Anlage – etwa nach einem Rohrbruch – hilft Brechen des Vakuums mit trockenem Stickstoff und erneutes Evakuieren. Zwei bis drei Zyklen verkürzen den Gesamtvorgang erheblich.

Nicht mit dem Verdichter evakuieren. Ein Verdichter ist keine Vakuumpumpe. Im Vakuum reißt der Schmierfilm ab, und bei laufender Wicklung kann es zum Überschlag kommen.

Wie lange dauert es?

Es gibt keine gültige Zeitangabe – nur ein Zielergebnis. Als Erfahrungswerte:

  • Splitgerät, kurze Leitungen: 20 bis 45 Minuten
  • Kühlraumanlage mittlerer Größe: 1 bis 3 Stunden
  • Große Anlage oder feuchtes System: mehrere Stunden bis über Nacht

Wer nach 15 Minuten aufhört, weil „das Manometer ganz links steht", hat die Anlage nicht evakuiert, sondern nur die Luft grob entfernt.

Fazit

Evakuieren ist Messen, nicht Warten. Mit Vakuumeter, großen Schlauchquerschnitten und einem sauberen Haltetest ist der Arbeitsschritt in vertretbarer Zeit erledigt – und schließt die häufigste Ursache für Spätschäden am Verdichter zuverlässig aus.

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