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Verdichter defekt? Fehlersuche Schritt für Schritt

·9 Min. Lesezeit

Systematische Diagnose bei Verdichterstörungen: Messungen, typische Fehlerbilder und wann sich eine Reparatur lohnt – aus der Servicepraxis.

Ein stehender Verdichter bedeutet Stillstand – und oft verdorbene Ware. Bevor ein neuer Verdichter bestellt wird, lohnt eine systematische Diagnose: In einem erheblichen Teil der Fälle ist nicht der Verdichter defekt, sondern seine Peripherie.

Erste Einordnung

Bevor Sie messen, beobachten Sie:

  • Verdichter läuft nicht an, brummt aber: Anlaufproblem – Kondensator, Relais, Spannung, mechanische Blockade
  • Läuft an und schaltet nach Sekunden ab: Motorschutz, Überlast, Hochdruckstörung
  • Läuft, bringt aber keine Leistung: Ventilplatte, innere Undichtigkeit, Kältemittelmangel
  • Läuft laut, klopft: Flüssigkeitsschlag, Lagerschaden
  • Läuft gar nicht, kein Geräusch: Elektrische Versorgung, Steuerung, Thermostat

Schritt 1: Elektrische Versorgung

Prüfen Sie, ob Spannung am Verdichter anliegt – nicht am Schütz, sondern an den Klemmen. Bei Drehstrom alle drei Phasen gegen einander messen. Ein fehlender Außenleiter lässt den Motor brummen und führt binnen Minuten zur Überhitzung.

Typischer Fund: Ein durchgebrannter Schützkontakt, der optisch unauffällig ist, unter Last aber keinen Durchgang mehr hat.

Schritt 2: Wicklungswiderstand

Verdichter spannungsfrei schalten, Klemmen abnehmen, mit dem Ohmmeter messen:

  • Einphasig: Zwischen C (Common), S (Start) und R (Run). Es gilt C–S + C–R = S–R. Weicht die Summe deutlich ab, liegt ein Wicklungsschluss vor.
  • Dreiphasig: Alle drei Wicklungen gegeneinander. Die Werte müssen innerhalb weniger Prozent übereinstimmen.

Unterbrechung (unendlich): Wicklung durchgebrannt oder interner Motorschutz hat ausgelöst. Bei letzterem kann der Verdichter nach Abkühlung wieder Durchgang zeigen – mindestens zwei Stunden warten und erneut messen.

Schritt 3: Isolationsprüfung

Mit dem Isolationsmessgerät bei 500 V zwischen jeder Klemme und dem Gehäuse messen. Werte über 10 MΩ sind unbedenklich, unter 1 MΩ deutet auf Körperschluss hin – der Verdichter ist elektrisch defekt.

Wichtig: Diese Messung nur bei vom Netz getrenntem Verdichter und ohne angeschlossene Elektronik durchführen.

Schritt 4: Anlaufkomponenten

Bei hermetischen Einphasenverdichtern:

  • Betriebskondensator: Kapazität messen. Weicht sie mehr als 10 Prozent vom Aufdruck ab, ersetzen.
  • Anlaufkondensator: Gleiche Prüfung; zusätzlich auf Aufblähung und ausgetretenes Dielektrikum achten.
  • Anlaufrelais: Bei Strom- oder Spannungsrelais den Schaltpunkt prüfen. Ein klemmendes Relais lässt den Anlaufkondensator im Kreis und zerstört die Anlaufwicklung.

Praxiserfahrung: Ein erheblicher Teil vermeintlicher Verdichterschäden bei Kühlmöbeln geht auf einen defekten Betriebskondensator zurück – ein Bauteil im niedrigen zweistelligen Eurobereich.

Schritt 5: Mechanische Prüfung

Wenn die Elektrik in Ordnung ist:

  • Druckaufbau: Manometer anschließen, Verdichter starten. Baut er keinen Hochdruck auf und gleicht sich der Druck sofort aus, ist die Ventilplatte defekt oder der Verdichter fördert nicht.
  • Blockade: Der Motor brummt, zieht hohen Strom und schaltet über den Motorschutz ab. Ursache sind Lagerschaden oder Flüssigkeitsschlag.
  • Drehrichtung (Scroll, Drehstrom): Bei falscher Phasenfolge baut ein Scroll-Verdichter keinen Druck auf und erzeugt ein lautes Heulen. Zwei Phasen tauschen – aber schnell, denn Falschlauf zerstört den Verdichter innerhalb von Minuten.

Schritt 6: Öl beurteilen

Öl aus dem Schauglas oder über das Serviceventil entnehmen:

  • Klar, hell: Unauffällig
  • Dunkel, verfärbt: Thermische Überlastung
  • Schwarz, säuerlicher Geruch: Motorbrand – der Kreislauf ist mit Säure kontaminiert
  • Milchig: Feuchtigkeit im System

Ein Säuretest (Acid-Test-Kit) schafft Klarheit. Bei positivem Befund ist ein Saugleitungsfilter zwingend.

Nach einem Motorbrand

Wird der neue Verdichter ohne Reinigung des Kreislaufs eingebaut, fällt er in der Regel innerhalb weniger Wochen erneut aus. Vorgehen:

  1. Kältemittel zurückgewinnen und separat entsorgen – nicht wiederverwenden
  2. Kreislauf spülen oder mindestens gründlich mit Stickstoff ausblasen
  3. Saugleitungsfilter mit Säureabsorption einbauen
  4. Filtertrockner in der Flüssigkeitsleitung erneuern
  5. Neues Öl, neues Kältemittel
  6. Nach etwa 48 Betriebsstunden Säuretest wiederholen, Saugfilter prüfen und bei Bedarf tauschen

Reparieren oder tauschen?

Hermetische Verdichter sind verschweißt und werden grundsätzlich getauscht.

Halbhermetische Verdichter lassen sich instand setzen. Ventilplatten, Dichtungssätze, Ölpumpen und Lager sind als Ersatzteile verfügbar. Bei Verdichtern ab etwa 10 HP ist die Reparatur meist deutlich wirtschaftlicher als ein Neugerät – vorausgesetzt, Kurbelgehäuse und Kurbelwelle sind unbeschädigt.

Faustregel: Übersteigen die Reparaturkosten 60 Prozent des Neupreises, ist der Tausch sinnvoller – zumal ein neuer Verdichter volle Gewährleistung mitbringt.

Bevor Sie bestellen

Halten Sie diese Angaben bereit: Verdichtertyp vom Typenschild, Kältemittel, Spannung und Anlaufart, Kälteleistung, Anwendungsbereich (LBP/MBP/HBP) und Ölsorte. Ist das Typenschild unlesbar, helfen ein Foto des Verdichters und die Anlagendaten weiter – wir ordnen daraus einen passenden Ersatztyp zu.

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Wir beraten Sie zu Auslegung, Kältemittelumstellung und Ersatzteilen — und liefern passende Komponenten ab Lager Hamm & Börnsen.

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